Wie Du mit Deiner Leidenschaft zum Schreiben ortsunabhängig Geld verdienst

10.12.17 | 0 Kommentare

Einleitung

Gehört dieser Text hier in die Texter-Akademie? Ich habe lange überlegt. Strenggenommen ist er nicht aufs Texten bezogen, sondern auf jede Form des Remote-Arbeitens. Doch nicht wenige angehende Texter begreifen das Texten auch als einen Schritt in die Freiheit als Digitaler Nomade. Und darum, denke ich, passt dieser Artikel durchaus auch hierher – schließlich sollte man vorher genau wissen, wie das Leben als „digitaler Texternomade“ denn so aussieht.

Kurz vorab: Meine Erfahrungen

Ich selbst habe mehrfach längere Zeit als digitaler Nomade von verschiedenen Plätzen der Welt aus als Texter gearbeitet: aus Hong Kong, aus Chicago, aus Nepal, aus der Mongolei. Ich liebe diese Form des Arbeitens, und werde das sicherlich in Zukunft auch noch verstärkt für mich nutzen.

Allerdings lese ich immer wieder Beiträge in Foren, Facebook-Gruppen und auf Blogs, bei denen das Leben als Digitaler Nomade einen dezent verklärten Touch bekommt. Eine Art Seefahrerromantik oder Eskapismus im modernsten, digitalen Gewande. Und das finde ich irreführend, jedenfalls, wenn es ums Texten als Digitaler Nomade geht.

Zunächst: Freiheit ist relativ!

Versteh‘ mich nicht falsch: Ich liebe die romantische Verklärung von Abenteuern – und mir ist es auch egal, ob Marco Polo tatsächlich in China war oder nicht, ich lese seinen Reisebericht trotzdem mit Wonne.

Aber ich bin auch Realist. Und als solcher weiß ich, wie das Leben als digitaler Nomade wirklich aussieht. Und wenn Dir jemand erzählt, dass Du dann „vollkommen frei und von überall auf der Welt arbeiten kannst“, dann klingt das immer so ein wenig nach bezahltem Dauerurlaub.

Natürlich weiß jeder echte Digitaler Nomade, dass das nicht die Realität ist, es sei denn, Du generierst tatsächlich überwiegend passives Einkommen (was als Texter natürlich nicht der Fall ist). Ich glaube auch, dass die meisten Digitalen Nomaden mit solchen Sätzen nicht in die Irre führen wollen – sie sind einfach bloß begeistert von den vielen Möglichkeiten. Und das ist völlig okay so, denn es gibt viele Möglichkeiten.

Dennoch: Als Digitaler Nomade musst Du einiges bedenken: Du musst top organisiert sein und durchaus auch ziemlich stressresistent. Denn relaxed ist dieser Lebensstil noch lange nicht, nur weil Du von einem Ort aus arbeiten kannst, wo die Sonne deutlich mehr scheint als in deutschen Landen. Wie also sieht die Arbeit als Texter aus, wenn man „nomadisiert“?

Du brauchst bloß Internet

„Du kannst als Texter von ÜBERALL arbeiten, Du brauchst bloß Internet!“

Das wirst Du schon oft gehört haben, und es ist völlig korrekt. Doch das schränkt schon mal erheblich ein, von wo aus Du arbeiten kannst bzw. setzt eine extrem gute Planung voraus.

Als ich in Nepal war, habe ich auch neben dem Urlaub getextet – zumindest ein wenig. Damals hatte ich noch nicht so ein großes Auftragsvolumen, so dass das sehr gut nebenbei ging.

Um das gleich vorauszuschicken: Ich habe in angenehm ausgestattet Guesthouses der Mittelklasse gewohnt. Alle hatten Internet.

Nur ist in Nepal das Internet derart unzuverlässig (oder war es jedenfalls 2014), dass es reine Glückssache war, ob, wie lange und wie schnell man Zugang hatte. Für die Arbeit war das extrem nervig, und in größerem Umfange wäre das auch kaum möglich gewesen, da Recherche auf diese Weise ewig dauern kann und Korrespondenzen und Skype-Calls nicht zuverlässig abgewickelt werden können.

Das bedeutet, Du musst Dich vorher erkundigen, wie zuverlässig die Internetverbindung in Deiner Unterkunft tatsächlich ist. Dass dort steht „WLAN vorhanden“ reicht nicht. Und Du musst Dich darauf einstellen, dass Du gegebenenfalls improvisieren musst.

In manchen Ländern kannst Du natürlich Co-Working-Spaces oder Coffeeshops nutzen – aber in manchen Gegenden gibt es das entweder nicht oder Du hast dieselben Probleme mit der Verbindung wie in Deiner Unterkunft. Das also gilt es zu berücksichtigen.

…und eine Heizung und einen Schreibtisch

Ja, auch das sind Kleinigkeiten, die nicht zu verachten sind. 2016 arbeitete ich remote aus der Mongolei. Gottlob nur für eine Woche, denn das ansonsten wundervolle Airbnb hatte zwar super Internet, aber leider keinen einzigen Tisch und Stuhl. Es blieben nur Bett und Fußboden, um zu arbeiten.

Aus solchen Fehlern lernt man schnell: Frage immer vorher, ob es einen Schreibtisch (oder mindestens einen Esstisch) gibt, an dem man arbeiten kann. Denn das geht sonst ziemlich auf den Rücken…

Es gibt Länder, die sind so warm, dass die Menschen dort in ihren Häusern meist keine Heizungen haben. Das ist natürlich ein Traum – bis der Winter kommt. Der ist dann zwar im Freien mit 10° bis 16°C vielleicht angenehm milde, drinnen aber frierst Du Dir am Laptop die Finger ab. (Mir so passiert in Hong Kong.)

Einzig passable Lösung: Heizlüfter kaufen. Oder andere Region wählen…

Dauerurlaub mit ein bisschen Arbeit?

Diesen Zahn muss ich Dir leider gleich ziehen: Das große Rumgereise ist als Texter von unterwegs (normalerweise) nicht drin. Vielleicht ist das ein wenig von Deiner Persönlichkeit und vom Zielort abhängig. Aber normalerweise wirst Du nur von unterwegs arbeiten können, wenn Du einige Zeit stationär bleibst und dann vielleicht einige Tage zum Reisen einplanst.

Zum einen sicherst Du so ab, dass Du über den entsprechenden Zeitraum intensiv arbeiten kannst, weil Du die nötige digitale Infrastruktur hast. Dass Du die auf einer Tour durch die Wüste Gobi eher nicht haben wirst, ist eh klar.

Zum anderen kann es – jedenfalls nach meiner Erfahrung – ausgesprochen stressig werden, am Tag eine bestimmte Strecke zu überwinden, ein wenig von der Gegend zu sehen und dann unter dem Druck zu stehen, abends noch arbeiten zu müssen.

Von daher: Reise ist Reise, arbeiten von unterwegs ist arbeiten von unterwegs. Digitales Nomadentum mag sich zunächst nach großem Weltenbummlertum anhören. Und tatsächlich wirst Du so viel mehr Gelegenheit haben, fremde Länder und Kulturen zu erleben, wenn Du möchtest. Aber Du musst ganz klar Phasen der Arbeit (stationär, vorher gut durchgeplant) von Phasen des Reisens und Entdeckens trennen.

Aber mehr Reisen ist doch trotzdem drin, oder?

Naja. Hier kommt ins Spiel, mit was Du als Digitaler Nomade Dein Geld verdienst. Wenn Du überwiegend passives Einkommen generierst, beispielsweise über Affiliate-Seiten, und nur nebenbei ein wenig textest, dann ist das vermutlich so.

Aber da kommen wir an den entscheidenden Punkt: Wenn Du hier in der Texter-Akademie bist, wirst Du vermutlich (überwiegend) als Texter arbeiten wollen. Texter ist ein wirklich toller Job. Aber: Texten ist nun mal kein passives, sondern verdammt aktives Einkommen!

Du kannst als Texter wirklich gut verdienen, wenn Du gut bist und ein bisschen Sinn fürs Networking hast. Du musst nun mal schreiben, und brauchst eine Umgebung, in der das möglich ist. Zudem ist viel aktives Networking und Akquise nötig, um gut zahlende Kunden zu bekommen. Darum kannst Du als Texter zwar von überall auf der Welt arbeiten. Du darfst Dich aber nicht der Illusion hingeben, dass Du fortan nur noch als Weltenbummler unterwegs bist – und dann, wenn Dir danach ist, mal eben eine Landing Page aus einer Jurte in der westlichen Mongolei betextest.

Das wird sehr wahrscheinlich nicht funktionieren, weil Du, wenn Du so sporadisch textest, nicht die Präsenz auf dem Markt zeigen kannst, um dauerhaft sicherzustellen, dass dann auch immer ein so gut bezahlter Auftrag zur Verfügung steht.

Wenn Du nun einwendest, Du könntest doch mit wenig Geld zurechtkommen und brauchst gar nicht so toll bezahlte Aufträge – ja, möglich. Aber vermutlich wirst Du dann trotzdem auch wieder mehr arbeiten müssen, weil Du ja pro Auftrag auch weniger verdienst. Und damit kannst Du dann auch wieder weniger herumreisen.

Fazit: Ist Texten „nomadisch“ lebbar?

Ja, klar! Aber als Ethnologin, die ich ja von Haus aus auch bin, kann ich Dir sagen, dass nomadische Völker in aller Regel nicht wahllos durch die Gegend gondeln, wie es ihnen die Laune des Moments eingibt. Üblicherweise schlagen sie für eine begrenzte Zeitperiode ihre Zelte (oder eben andere Unterkünfte) an einem bestimmten Ort auf – oft auch periodisch an denselben Orten. Und dabei gehen sie ja auch nicht ihren Vergnügungen nach, sondern arbeiten.

Genau das ist Digitales Nomadentum – und das ist als Texter ganz einfach möglich!

Wenn ich Dir mit diesem Beitrag einen Zahn ziehen möchte, dann diesen: Dass als Texter von überall auf der Welt zu arbeiten gewissermaßen Dein Eintritt ins Paradies ist.

Die Geschichten von Menschen, die als „Digitale Nomaden“ unterwegs sind und dabei im Wesentlichen einen sehr entspannten Lifestyle zu pflegen scheinen, sind sicher nicht erfunden. Aber definitiv sind das Menschen, die schon irgendwo umfangreiche Rücklagen gebildet haben oder passive Einkommensströme erzeugen. Das kannst Du sicher auch! Aber nicht als Texter, wenn das Deine einzige Einkommensquelle ist.

Als Texter tust Du als „Nomade“ genau dieselbe Arbeit, die Du zuhause auch tust. Du musst zusätzlich vieles im Vorwege gut planen und organisieren – Unterkünfte, Arbeitsorte, Aufenthaltsdauer, Termine koordinieren bei größeren Zeitverschiebungen und vieles mehr.

Dein Privileg: Du kannst einer schönen Arbeit nachgehen, und das von dem Ort aus, an dem Du Dich am wohlsten fühlst. Ich finde, das ist viel wert!

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