Der smarte Weg in die Selbständigkeit als Texter

11.02.18 | 0 Kommentare

Einleitung

Neulich sprach ich mit einer Bekannten, Luisa, die sich selbständig machen wollte –zu dem Zeitpunkt arbeitete sie in einer Werbeagentur.

„Cool“, sagte ich, „und weißt Du schon, wann Du kündigen willst?“

„Ich habe schon gekündigt, Ende Januar bin ich raus.“

„Wow! Und was genau bietest Du dann an, hast Du schon eine Website…?“ Ich hatte tausend Fragen.

„Nö. Ich denke mal, ich mach‘ dann sowas wie jetzt als Freelancer, mal gucken.“

Mal gucken?! Das ist wohl nichts anderes der berühmte Sprung ins kalte Wasser, und zwar kopfüber von einer Klippe in 100 Meter Tiefe. Die Frage ist: Ist das ein mutiger Schritt – oder einfach Wahnsinn? Fakt ist: Luisa ist nicht die Einzige, die sich mehr oder weniger spontan entscheidet, zu kündigen – ohne allzu konkreten Plan, was danach kommen soll.

Dahinter steht oft der dringende Wunsch, aus einem als schrecklich empfundenen Arbeitsverhältnis zu entkommen. Oft aber auch der Gedanke: Ich kann mir nichts aufbauen, solange ich noch arbeite.

In diesem Beitrag möchte ich Dir erklären, warum ich eine „smarte“ Variante für den Einstieg in die Selbständigkeit als Texter bevorzuge und wie die aussehen kann.

1. Erst denken, dann kündigen: Ein Job, der weg ist, ist erstmal weg!

Der Impuls ist verständlich, klar. Vielleicht hängst Du schon seit Jahren in einem Unternehmen fest, in dem Du Dich gar nicht wohlfühlst. Vielleicht ist die Arbeit todlangweilig, die Bezahlung mies oder die Kollegen einfach furchtbar.

Aber: Du hast ein regelmäßiges Einkommen. Das ist viel wert, solange Du noch nicht wirklich weißt, was Du danach machen möchtest und wie Du Dich im Textergeschäft aufstellen solltest.

Mein Tipp: Nutze die Festanstellung, solange es irgendwie geht, und baue Dir parallel Dein eigenes Business auf. Gerade ein Texter-Business ist relativ leicht skalierbar. Du kannst problemlos mit einigen wenigen Aufträgen anfangen, Dich ausprobieren, Deine Nische finden, ohne dass Du zu viel Zeit investieren musst. Und dann ziehst Du das ganze langsam hoch.

Zudem solltest Du bedenken: Viele Geschäftsmodelle funktionieren nicht. Alleine, wenn wir uns die Startups anschauen, überlebt etwa ein Drittel die ersten drei Jahre nicht (Quelle: KfW Gründungsmonitor 2012; Bürgel 2013). Wenn Du blindlings in eine neue Karriere als Freelancerin stürzt, ohne das Ganze vorher gut durchdacht und angetestet zu haben, könnte es Dir schnell genauso ergehen. Also: Besser auf Nummer sicher!

2. Sinnvoller Schritt: Wenn möglich Stunden reduzieren

Du hast Dich entschieden hast, zumindest erst einmal im Nebenjob mit dem Texten zu beginnen. Langsam hast Du Deine – vielleicht auch nur vorläufige – Nische gefunden. Nun wird es Zeit für den nächsten Schritt.

Wenn Du einen Vollzeitjob hast und sich die Chance bietet, empfehle ich Dir, Deine Stunden zu reduzieren. Am besten ist es, wenn Du nicht mehr als 30h pro Woche arbeitest. Dann hast Du ein Viertel Deiner Arbeitszeit, also etwa 10h, pro Woche zur Verfügung, um Dein Business nebenbei aufzubauen. 20h sind natürlich noch besser, dann kannst Du schon die Hälfte Deiner Energie auf Deine Selbständkeit konzentrieren.

Wenn das bei Deinem Job nicht in Frage kommt, kannst Du Deinen Traum von der Selbständigkeit aber auch realisieren, wenn Du in Vollzeit arbeitest. Im Zweifel musst Du morgens zwei Stunden früher aufstehen oder abends zwei Stunden später ins Bett gehen – oder Du arbeitest am Wochenende. Das ist nicht die ideale Ausgangslage, aber es geht!

3. Aber ich habe keine Zeit…

…und ich brauche doch auch meine Freizeit!

Das verstehe ich, und wohl so gut wie jeder andere Mensch auch. Es ist aber nun mal leider so, dass nichts so wichtig ist für einen Selbständigen wie die Fähigkeit, Dinge anzupacken und durchzuziehen.

Du möchtest also nur spontan kündigen, weil Du denkst, Du kriegst nur dann den Hintern hoch? Weil Du ja musst? Dann solltest Du dringend nochmal überlegen, ob Du nicht einfach nur eine andere Anstellung suchst, anstatt Dich selbständig zu machen.

Wenn Du es in der gesicherten Position als Angestellte/r nicht schaffst, einen Tag am Wochenende oder die Extra-Randstunden in Deine Zukunft zu investieren, dann ist das nicht schlimm. Natürlich nicht. Es ist aber vielleicht durchaus ein Hinweis, dass Selbständigkeit eben nicht ganz das Richtige für Dich ist. Oder dass Du es einfach nicht genug willst.

Dir muss klar sein, dass Du als Selbständiger zwar viel mehr Freiheiten, aber auch viel mehr Arbeit und Stress hast denn als Angestellter. Vielleicht stellst Du für Dich fest, dass Dir dafür die Motivation fehlt. Weil es Dir wichtiger ist, dass Du am Wochenende Zeit für Freunde und Familie hast, und nicht an Arbeit denken musst. Das ist okay! Nur ist es besser, Du stellst es rechtzeitig fest!

Es gibt aber auch tausend verschiedene Techniken, die Dir dabei helfen können, motiviert zu bleiben. Wenn Du Dir also sicher bist, dass Du Dich selbständig machen willst und als Texter von zuhause oder von überall auf der Welt arbeiten möchtest, überlege Dir zum Beispiel, ob Du in einer Online-Community aktiv wirst oder ob Du Dich einer Mastermind anschließt. All das schafft Verbindlichkeit, die Dir helfen kann, bei der Stange zu bleiben.

Natürlich gibt es Situationen, in denen es faktisch einfach nicht zu schaffen ist, sich parallel zum Job selbständig zu machen. Wer beispielsweise nebenbei einen Pflegefall in der Familie betreut, hat natürlich diese Randzeiten nicht zum Arbeiten. In solchen Situationen kann man immer noch nach Alternativen und Optionen suchen – aber es ist eben auch wirklich eine sehr schwere Ausgangslage für den Weg in die Selbständigkeit. Aber auch da gilt: Das ist nicht schlimm. Es ist besser, Du erkennst, wenn der Zeitpunkt nicht passt.

Deine Checkliste:
  • Habe ich die Motivation, mich in meiner „Freizeit“ mit meinem neuen Business zu befassen?
  • Brauche ich unterstützende Strukturen (Mastermind, Online-Community,…), um motiviert zu bleiben?
  • Gibt es äußere Faktoren, die es mir aktuell unmöglich machen, mich in der Freizeit um mein Business zu kümmern (Pflege von Angehörigen, Kinderbetreuung,…)?
  • Finde ich dafür eine Lösung?
  • Wenn ja, habe ich dann auch die Energie, um mich um mein Business zu kümmern?

4. Warum einfach kündigen nicht die Lösung ist

Eines sagte ich schon: Es ist ein extrem hohes Risiko, das Du damit eingehst. Viele bauen darauf, dass sie, wenn sie sich arbeitslos melden, einen Gründungszuschuss bekommen.

Den gibt es zwar, doch man muss ihn auch bewilligt bekommen – und die Kriterien dafür sind in den letzten Jahren erheblich angezogen worden. Zudem hast Du nur ein bestimmtes Zeitfenster dafür zur Verfügung, und Du bekommst nicht ewig ALG I (Voraussetzung für den Gründungszuschuss). Anschließend sitzt Du auf Hartz IV, falls Du Deinen Zuschuss nicht bekommst und in der Zwischenzeit nicht einen anderen Job gefunden hast oder einfach super schnell super erfolgreich wirst.

Natürlich kannst Du auch aus Hartz IV heraus erfolgreich in die Selbständigkeit starten. Aber ich habe über sechs Jahre mit Langzeitarbeitslose in Projekten gearbeitet – und sage Dir: Du möchtest nicht wirklich in Abhängigkeit vom Arbeitsamt und Jobcenter leben. Glaub mir, Du hast dann eine viel schwierigere und anstrengendere Ausgangsbasis als Du sie mit Deinem aktuellen Job überhaupt haben kannst.

Also: Gehe planvoll vor. Triff keine übereilten Entscheidungen.

5. Den Absprung finden.

Setze fest, wieviel Zeit Du pro Woche in Deine Selbständigkeit investieren willst – sagen wir: 10h. Nutze diese 10h und probiere Dich aus. Investiere Zeit in Deine Entwicklung, finde Deine Nische, erweitere Deine Kompetenzen.

Aber: Belasse es nicht dabei kluge Bücher über Selbständigkeit, Kreativtechniken, Texten und was man noch alles so lesen könnte zu verschlingen. Deine Arbeit als Texter findet nicht in der Theorie statt, sondern in der Praxis.

Finde erste Kunden, egal welche, egal wie schlecht sie bezahlen. Teste an, was Dir gefällt, was nicht, was Du gut kannst und was eher weniger. Entwickle Dich in Deiner Nische.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du jetzt ständig mehr Aufträge haben könntest als Du abarbeiten kannst: Dann ist ein guter Zeitpunkt für den Absprung.

Das kann einige Monate dauern, das kann einige Jahre dauern – manchmal lohnt es sich, auch etwas länger zu warten, um einen leichteren Übergang zu haben. Das alles hängt ganz von Dir und Deiner Lebenssituation, Deiner Persönlichkeit, Deinen Zielen und Deinen Fähigkeiten ab!

Aber bitte fang‘ besser mit Schwimmflügeln im Nichtschwimmerbecken an. Nicht mit dem Kopfsprung ins kalte Wasser.

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