2 gute Gründe, Dich pro Wort bezahlen zu lassen

11.02.18 | 0 Kommentare

Einleitung

Jaja, der böse Wortpreis… nichts wird in Facebook-Gruppen, Foren und unter Textern so viel und so leidenschaftlich diskutiert wie der leidige Wortpreis. Darum möchte ich Dir natürlich auch hier in der Texter-Akademie meine Perspektive zu diesem Thema anbieten.
Ist es also per se schlecht, sich nach Worten bezahlen zu lassen?Ich kann es schon kurz vorab sagen: Es gibt auf diese Frage, wie so oft, nicht die eine richtige Antwort. Aber es gibt meiner Meinung nach mindestens zwei gute Gründe, die für einen Wortpreis sprechen. Und das ist eigentlich auch schon das, was ich dazu sagen möchte. Nur jetzt halt noch etwas ausführlicher…

Grund 1: Viele Kunden möchten eine Abrechnung pro Wort.

Okay, nun sagst Du vielleicht: Aber wenn es für mich nur Nachteile hat, muss ich ja nicht tun, was der Kunde will. Das stimmt. Aber wenn es für Dich im Prinzip keine nennenswerten Nachteile hat, ist es ein Vorteil, wenn Du den Kundenwünschen entsprechen kannst. Darum ist also die alles entscheidende Frage…

Ist die Abrechnung pro Wort per se schlecht für Dich?

Nein. Absolut nicht!

Prinzipiell spricht überhaupt nichts dagegen, sich pro Wort bezahlen zu lassen. Die Frage ist halt, wie hoch der Wortpreis ist. Vielfach höre ich: „Das mit dem Wortpreis vergiss mal gleich, da kommst Du nie auf Deine Kosten.“

Das ist natürlich Quatsch. Ich denke, hinter der Kritik steht in etwa Folgendes: Ein Wortpreis entlohnt nur das geschriebene Wort, und nicht die ganze Recherche (sowie Verwaltungsaufwannd etc. pp.), die ebenfalls nötig ist, um den Text zu erstellen.

Formal ist das natürlich korrekt. Nur sieht es in der Realität natürlich so aus, dass Du den Aufwand, der nötig ist, um den Text zu erstellen, in den Wortpreis einkalkulierst.

Es gibt Projekte, da macht das natürlich dann gar keinen Sinn mehr. Du kannst davon ausgehen, dass Menschen, die Claims wie „Just do it“ oder „Geiz ist geil“ entwickelt haben, dafür nicht nach Wortpreis bezahlt worden sind.

Ähnlich unsinnig sind Wortpreise, wenn Du etwa einen Startseiten-Slider betexten sollst. Dabei kommen vielleicht 20 Worte zusammen. Du arbeitest aber sicher mehrere Stunden daran, da es wirklich drauf ankommt, mit diesen 20 Worten den Besucher auf den ersten Blick zu fesseln.

Prinzipiell kannst Du natürlich genauso gut einen Wortpreis verlangen, der diesen Aufwand abbildet und einfach mehrere hundert Euro pro Wort nehmen. Das ist aber unüblich und wirkt auch irgendwie albern. Für solche Aufträge ist es dann einfach sinniger, mit einem Stundenpreis bzw. einem stundenbasierten Paketpreis zu arbeiten.

Dennoch: Wenn Du einen Wortpreis ansetzt, sollte der „umgerechnet“ werden können und normalerweise ungefähr Deinem Stundensatz entsprechen.

So ermittelst Du Deinen Wortpreis

Machen wir ein einfaches Beispiel: Ich etwa nehme als Stundensatz 70€. Wenn ich 1000 Wörter in einer Stunde mit allem Drum und Dran, einschließlich des adminstrativen Gedöns, produzieren könnte, könnte ich also zu einem Wortpreis von 7 Cent anbieten und dabei meinen Stundensatz einhalten.

Das ist natürlich ein rein rechnerisches Beispiel. Du musst realistisch durchkalkulieren, wie viel Zeit Du für einen bestimmten Auftrag (denn unterschiedliche Aufträge sind natürlich unterschiedlich aufwändig) benötigst, einschließlich des administrativen Aufwands und sonstiger Kosten, die zu bedenken sind.

Wenn Du Deinen Stundenlohn ziemlich genau einhalten willst, rechnest Du dann den Stundenlohn einfach in einen Wortpreis um. Wenn Dir eine bestimmte Wortzahl vorgegeben ist, ist das ja problemlos möglich.

Ob Dein Wortpreis also Deinem Stundenlohn entspricht, hängt zu einem großen Teil davon ab, wie Du ihn kalkulierst. (Das jedenfalls gilt, wenn wir es von Deiner Angebotsseite her betrachten. Eine andere Frage ist natürlich, zu welchen Preisen Aufträge angeboten werden und ob es sich lohnt, sie anzunehmen.)

Ein entscheidender Faktor, der zur Kalkulation herangezogen werden muss, ist die Frage, wie schnell und effizient Du arbeitest. Es gibt einfach schnellere und langsamere Schreiber. Einen durchschnittlichen Blogbeitrag mit durchschnittlichem Rechercheaufwand solltest Du mit allem Drum und Dran in etwa 2-3 Stunden fertig bekommen.

Der zweite wesentliche Punkt ist, ganz klar, die Textart und die Frage nach dem Rechercheaufwand. Aber auch andere Dinge kosten Zeit! Ein SEO-Text, der wenig thematische Recherche erfordert, kann trotzdem ziemlich aufwändig sein, wenn Du beispielsweise umfangreiche Keywordvorgaben berücksichtigen musst oder den Text WDF*IDF optimieren sollst.

Darum ist es sinnvoll, Genaueres über den Auftrag zu wissen, bevor Du Dich auf einen Preis festlegst bzw. einen Preis zusagst, der Dir offeriert wird.

Hinzu kommt der Verwaltungsaufwand (auch der ist natürlich ein wenig von Deiner Effizienz abhängig) und die Tatsache, dass Du als Selbständiger ja deutlich mehr Kosten selbst tragen musst. Auch all das muss in Deine Preisbildung einfließen.

Grund 2: Du kannst unbelastet von Time Tracking arbeiten

Das ist wenigstens für mich ein schlagendes Argument. Ich rechne grundsätzlich nur entweder pro Wort ab oder mache pauschale Paketpreise (oder ich arbeite auf Provision). Paketpreise basieren dann, je nach Wunsch des Auftraggebers und je nach Auftragsart, auf einem Wortpreis oder meinem Stundensatz.

Warum ist mir das so wichtig? Ganz einfach: Wenn ich wirklich die Stunden abrechnen muss, so wie ich sie tatsächlich arbeite, muss ich ständig meine Zeit tracken. Dabei komme ich aber schnell an meine Grenzen. Ich bin kein Mensch, der sich an seinen Schreibtisch setzt und dann einfach seinen 8 Stunden-Tag runterarbeitet. Ich kann so gar nicht arbeiten. Mein Gehirn arbeitet an meinen Textprojekten, wo ich gehe und stehe. Mit meiner Kreativität wäre es schnell zuende, wenn ich jedes Mal, wenn mir ein Gedanke kommt, anfangen sollte, meine Zeit zu tracken. Darum liebe ich Wortpreise.

Wer so oder so ähnlich arbeitet wie ich, für den sind Wortpreise grundsätzlich erstmal eine hervorragende Möglichkeit, unbeschwert zu arbeiten. Natürlich musst Du erstmal ein gewisses Gefühl dafür entwickeln, wie lange Du tatsächlich für Deine Texte benötigst – nur dann kannst Du ja sinnvoll Deinen Wortpreis berechnen.

Und, wie gesagt, in manchen Fällen sind Wortpreise eben einfach auch nicht so sinnvoll. Da helfen dann Paketpreise auf Stundenbasis weiter.

Um Deinen tatsächlichen Zeitaufwand zu kalkulieren, empfehle ich Dir, alle administrativen Prozesse ein paar Mal zeitlich zu tracken. Dasselbe solltest Du bei verschiedenartigen Textaufträgen ein paar Mal durchziehen. Für Arbeiter wie mich erfordert das viel Disziplin, weil es mir sehr entgegen ist. Aber dafür hast Du dann eine solidere Basis für Deine Wortpreis- oder Paketpreiskalkulation. (Und letztlich natürlich auch für Kostenvoranschläge auf Basis Deines Stundenlohns.)

Fazit: Wortpreis – ja oder nein?

Ja, warum nicht! Aus meiner Sicht spricht grundsätzlich nichts dagegen, auch ein wortbasiertes Abrechnungsmodell anzubieten, jedenfalls für viele Textsorten. Natürlich kannst Du auch stundenbasiert abrechnen. Aber Du bietest Deinen Kunden damit eine zusätzliche Option, die vielen Kunden auch deutlich lieber ist als ein Stundenmodell. Zudem erleichtert es Dir die Arbeit, wenn Du auch gerne sehr flexibel arbeitest und Dir das tracken für jeden einzelnen Auftrag lieber ersparen möchtest.

Ob sich ein Wortpreis lohnt oder nicht, ist eine Frage Deiner Kalkulation. Klar ist, dass Du mit unter 2 Cent auf ein Lohnniveau unter Mindestlohn kommst. Ab 3 Cent kann es anfangen, sich zu lohnen. Du bist dann vielleicht auf dem Niveau eines durchschnittlichen 450€-Jobs, aber immerhin kommt etwas dabei über und Du lernst etwas. Späterhin musst Du Deine Wortpreise Deinen Kompetenzen und den anspruchsvolleren Aufträgen entsprechend nach oben anpassen. Dann ist der Wortpreis in nichts schlechter als ein Abrechnen nach Stundensatz.

Allerdings: Für manche Arten von Aufträge – beispielsweise zeitintensive, wortarme Aufträge – macht ein Wortpreis in der Tat wenig Sinn. Fazit also: Es kommt ganz drauf an!

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